Fort- und Weiterbildung

Die Sektion Psychoanalytische Paar-, Familien- und Sozialtherapie im Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie Gießen e.V. bietet eine berufsbegleitende Fort- und Weiterbildung an.

 

Grundlage dieser Weiterbildung ist der heutige Stand der psychoanalytischen Theorie und Praxis, wie sie sich seit Sigmund Freud bis heute weiterentwickelt hat. Darauf aufbauend vermittelt die Weiterbildung beziehungsdynamisches Verstehen bewusster und unbewusster interpersonaler Konflikte und damit verbundener psychosozialer Abwehr­mechanismen bei Paaren, Familien, Gruppen und Institutionen.

 

Zentral sind dabei die Bedeutung des Unbewussten in Übertragung und Gegenübertragung, der Umgang mit dem Widerstand und der Abwehr sowie die grundsätzliche Berücksichtigung des Unbewussten. Dieser Ansatz basiert auf der Annahme, dass die Vergangenheit – insbesondere mit ihren unbewussten, konfliktbesetzten, unerledigten Themen - in der Gegenwart weiter wirksam ist und die Muster des Erlebens und Verhaltens in den Beziehungen entscheidend mitbestimmt. Die psychoanalytische Paar-, Familien- und Sozialtherapie richtet ihren Blick aber auch auf die Einbettung interpersonaler Konflikte in übergreifende, soziale, ökonomische und politische Zusammenhänge.

 

Bei der therapeutischen Arbeit mit Paaren und Familien liegt die Aufmerk­samkeit auf dem Erkennen von sich wiederholenden pathologischen und pathogenen Beziehungsstrukturen zwischen den Generationen und deren Reinszenierung in der therapeutischen Situation unter Einschluss des Thera­peuten. Es geht dabei um das Erarbeiten der Psychodynamik im einzelnen Familienmitglied und die Dynamik im Zusammenspiel der psychischen Kräfte, die im Austausch zwischen den Familienmitgliedern wirksam werden.

 

Damit dies gelingen kann, ist auf Seiten des Therapeuten eine allen Beteiligten gleichermaßen zugewandte und annehmende Grundhaltung von Bedeutung, s. Stierlin: „Allparteilichkeit“.

Die Analyse der Übertragung und Gegenübertragung ist bei allen behand­lungstechnischen Überlegungen von besonderer Wichtigkeit.

 

Psychoanalytische Paar-, Familien- und Sozialtherapie findet Anwendung als tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie (Kurzzeittherapie bei Krisenintervention, Fokaltherapie und Langzeittherapie mit Paaren und Familien), als psychoanalytische Psychotherapie mit Paaren und Familien sowie als psychoanalytische Paar- und Familienberatung und als psychoanalytische Beratung/Therapie von Soziosystemen (Lebens- und Wohngemeinschaften, Gruppen, Institutionen).

 

Die Fort- und Weiterbildung orientiert sich an den Veröffentlichungen zur Theorie und Praxis der Psychoanalytischen Familientherapie, wie sie erstmalig von H. E. Richter in seinen Büchern "Eltern, Kind und Neurose" (1963) und "Patient Familie" (1970), und dann von E. Sperling und Massing, H. Stierlin, J. Willi, T. Bauriedl, G. Reich und M. Cierpka in ihren Grundkonzeptionen vorgelegt worden sind.

 

Unsere Weiterbildung entspricht den Anforderungen des Bundesverbandes Psychoanalytische Paar- und Familientherapie e.V. (BvPPF) und ist von diesem anerkannt.